10. Régates de Baquet

das Internationale Badewannenrennen
9. Juni 2002, Völkerschlachtdenkmal

  Die Erfüllung der Sehnsucht nach Unterhaltung, Spaß und Schönheit in der Bewegung!
 
Presse 2002
 



LVZ, 11.6.2002

Zeitungsente auf rauer See

Premiere für LVZ-Team beim Badewannenrennen Zum Jubeln gestartet, nicht zum Gewinnen: das LVZ-Team "Bleierne Ente"

Regattafieber am Völkerschlachtdenkmal! Unter den Augen sensationsverwöhnter Leipziger Freunde der Seenotrettung werden die selbstgebauten Boote zu Wasser gelassen. Manchen traut der erste Kennerblick auf rauer See nur eine Bewegungsrichtung zu, nämlich steil nach unten.
Dennoch: Die Erwartungen im Fahrerlager sind groß, auch das Team der LVZ ist hochmotiviert. Mit einem Gläschen Sekt wird die "Bleierne Ente", unser Gefährt, getauft. Ganze Arbeit von Erbauer Alfred Erdrich. Start frei zum ersten Rennen: der gefürchteten Hindernisfahrt auf dem Bassin. Am Gewässerrand drückt Marketing-Frau Uta Rudolf die Daumen, die sich um Mannschaft, und Organisation verdient machte. Auf dem Wasser wird gerudert, Birgit Knobloch, Maria Hufenreuter, Ralf Siegmund und meine Wenigkeit ziehen durch.
Schweiß tropft von den Stirnen und vermischt sich mit der Gischt, die der Fahrtwind über unsere Gesichter weht. Ein Blick zurück, vorbei am großen LVZ-Transparent auf der schwimmenden Bühne, zeigt weit abgeschlagen unsere Gegner in den Fluten dümpeln, während Birgit mit größtmöglichem Einsatz einen unterwegs aufgenommenen Ball im Becken am Ende des Parcours unterbringt. Dann heißt es warten. Der Start der Regatta zieht sich. Nur wenige Boote haben genügend Getränkereserven für solche Notfälle an Bord. Als es schließlich losgeht, haben sich einige Teams weit vorgeschoben, ein Ziehen und Drängeln beginnt, bei dem manche die Nerven verlieren - wie Grünen-Steuermann Malte, der das Anfassen des Bootes mit einem Tritt seiner zum Glück weicht besohlten Tempelflitzer ahndet. Für unser Team wird es ein Platz im guten Mittelfeld.
Zeit für das berüchtigte Wannenstechen. In der ersten Runde setzen wir uns souverän gegen beide Gegner durch. Nun treffen wir auf die "Tapir", die die Niederlage im Hindernisfahren nicht überwunden hat. Mit Pumpe und Schlauch spritzen sie einen soliden Wasserstrahl ins Gesicht ihrer Gegner. Ich stehe blind im Boot, da kommt der entscheidende Treffer. Schade, das war's. Aber wer kommt schon nur zum Gewinnen hierher?

Markus Wittpenn

 

Bild, 10.6.2002

Badewannenrennen
6000 bei der fröhlichsten Schlacht des Jahres

Das legendäre Leipziger Badewannenrennen - ein Fest der Völker!
Der olympische Gedanke hat die Seeschlacht vorm Völkerschlachtdenkmal erfasst. Vor 6000 Zuschauern kämpften gestern 39 Boote für, logisch, 39 Nationen um die begehrten Hauptpreise (Frühstück in der Südbrause, Überlebensrucksack vom Tapir-Laden) in drei Kategorien - Zeitfahren, Regatta, Wannenstechen.
Mit dabei: Völker, die sportlich bisher eher unauffällig waren. "Christa" startete für den Vatikan, die Jungs hatten sich als Nonnen verkleidet, "Tapir" ging für Aserbaidschan ins Rennen, mit einer Ölbohr-Insel.
Die Kanadier bewiesen, dass sie keine Seefahrernation sind. Zwar hatten sie einen gut zehn Jahre alten Ahornbaum an Bord, dafür aber nach Sekunden schwer Schlagseite. Da besann sich die Besatzung der "Blauen Bleißebrecher" (Argentinien) des olympischen Gedankens - sie retteten Kanada aus Seenot, trotz akuter Wettkampfsituation...
Die PDS schwamm selbstredend unter russischer Flagge und mit Ex-Turner Klaus Köste. Ein Tretboot hätte die Fraktions-Matrosen schneller nach vorn bringen können, sie ruderte aber irgendwo im Mittelfeld herum. Wer gewonnen hat, ist eigentlich egal, aber der Vollständigkeit halber: Es waren "DivingKaputtNix" aus Sachsen-Anhalt. Der jubelschrei aus dem Publikum kam von Marathon-Legende Waldemar Cierpinski, einem waschechten Hallenser...

Jackie Richard

 

LVZ, 10.6.2002

Wanne und Flamme für den olympischen Geist

LVZ-Ente bei 10. Régates de Baquet im Mittelfeld

Die Feuerprobe ist bestanden. Seit gestern lodert in Leipzig sie Olympische Flamme. Kurz nach 13 Uhr sprang der Funke über, der im griechischen Restaurant "Olympia" entnommen und nach halsbrecherischer Einrad-Fahrt schließlich vom 14-jährigen Kilian vor dem Völkerschlachtdenkmal an die Lunte gehalten wurde. Nicht irgendein Kilian übrigens, sondern der kleine Fröhlich, Sohn des Badewannenrennen-Moderators Paul. Drohen den Spielen 2012 in Leipzig Beziehungssumpf und Korruptionsdickicht? Die Organisatoren der naTo versprachen trotz dieser familiären Mauschelei einen fairen Wettkampf und erklärten die 10. Régates de Baquet für eröffnet.
Der völkerverbindende Geist hat 36 Teams dazu befähigt, mehr oder minder taugliche Objekte im Seestadion zu wassern, mehr noch im friedlichen Nebeneinander. Unter der Flagge des Vatikans ging die bescheidene "Christa" ins Rennen, andere waren Aufmerksamkeit heischend auf "Aurora" (Russland), "Der schwimmende Saftladen" (Ägypten) oder "Die Achseln des Bösen" (USA) getauft.
Im Fahrerlager der "MS Aufschwung Ost" (GB) brutzelten Würstchen auf dem Grill, derweil Sportsfreund Markus vom LVZ-Kahn "Bleierne Ente" (Dänemark) mit Süßkram, Cola, Schokomilch und Filterzigarretten knapp den Dopingvorschriften gerecht werden konnte. Dank ausgewogener Ernährung und Sitzplatzverteilung gelang es dem Team Birgit, Maria, Ralf und Markus, sich stabil im Mittelfeld zu behaupten. Warum "DivingKaputtNix" (Sachsen-Anhalt) das Hindernisrennen für sich entscheiden konnten, blieb bis Redaktionsschluss ebenso ungeklärt wie der Regatta-Sieg von "Fassbomber" (Australien) und die Entscheidung im Wannenstechen, wo "Kampgurke" (China) die Oberhand behielt. Moralischer Sieger bleibt ohnehin die Olympiametropole, die einen Vergleich mit Athen oder dem Ruhrgebiet nicht mehr scheuen muss.

J. Fleischer