| |

LVZ, 11.6.2002
Zeitungsente auf rauer See
Premiere für LVZ-Team beim Badewannenrennen Zum Jubeln gestartet,
nicht zum Gewinnen: das LVZ-Team "Bleierne Ente"
Regattafieber am Völkerschlachtdenkmal! Unter den Augen sensationsverwöhnter
Leipziger Freunde der Seenotrettung werden die selbstgebauten Boote
zu Wasser gelassen. Manchen traut der erste Kennerblick auf rauer
See nur eine Bewegungsrichtung zu, nämlich steil nach unten.
Dennoch: Die Erwartungen im Fahrerlager sind groß, auch das
Team der LVZ ist hochmotiviert. Mit einem Gläschen Sekt wird
die "Bleierne Ente", unser Gefährt, getauft. Ganze
Arbeit von Erbauer Alfred Erdrich. Start frei zum ersten Rennen:
der gefürchteten Hindernisfahrt auf dem Bassin. Am Gewässerrand
drückt Marketing-Frau Uta Rudolf die Daumen, die sich um Mannschaft,
und Organisation verdient machte. Auf dem Wasser wird gerudert,
Birgit Knobloch, Maria Hufenreuter, Ralf Siegmund und meine Wenigkeit
ziehen durch.
Schweiß tropft von den Stirnen und vermischt sich mit der
Gischt, die der Fahrtwind über unsere Gesichter weht. Ein Blick
zurück, vorbei am großen LVZ-Transparent auf der schwimmenden
Bühne, zeigt weit abgeschlagen unsere Gegner in den Fluten
dümpeln, während Birgit mit größtmöglichem
Einsatz einen unterwegs aufgenommenen Ball im Becken am Ende des
Parcours unterbringt. Dann heißt es warten. Der Start der
Regatta zieht sich. Nur wenige Boote haben genügend Getränkereserven
für solche Notfälle an Bord. Als es schließlich
losgeht, haben sich einige Teams weit vorgeschoben, ein Ziehen und
Drängeln beginnt, bei dem manche die Nerven verlieren - wie
Grünen-Steuermann Malte, der das Anfassen des Bootes mit einem
Tritt seiner zum Glück weicht besohlten Tempelflitzer ahndet.
Für unser Team wird es ein Platz im guten Mittelfeld.
Zeit für das berüchtigte Wannenstechen. In der ersten
Runde setzen wir uns souverän gegen beide Gegner durch. Nun
treffen wir auf die "Tapir", die die Niederlage im Hindernisfahren
nicht überwunden hat. Mit Pumpe und Schlauch spritzen sie einen
soliden Wasserstrahl ins Gesicht ihrer Gegner. Ich stehe blind im
Boot, da kommt der entscheidende Treffer. Schade, das war's. Aber
wer kommt schon nur zum Gewinnen hierher?
Markus Wittpenn
Bild, 10.6.2002
Badewannenrennen
6000 bei der fröhlichsten Schlacht des Jahres
Das legendäre Leipziger Badewannenrennen - ein Fest der Völker!
Der olympische Gedanke hat die Seeschlacht vorm Völkerschlachtdenkmal
erfasst. Vor 6000 Zuschauern kämpften gestern 39 Boote für,
logisch, 39 Nationen um die begehrten Hauptpreise (Frühstück
in der Südbrause, Überlebensrucksack vom Tapir-Laden)
in drei Kategorien - Zeitfahren, Regatta, Wannenstechen.
Mit dabei: Völker, die sportlich bisher eher unauffällig
waren. "Christa" startete für den Vatikan, die Jungs
hatten sich als Nonnen verkleidet, "Tapir" ging für
Aserbaidschan ins Rennen, mit einer Ölbohr-Insel.
Die Kanadier bewiesen, dass sie keine Seefahrernation sind. Zwar
hatten sie einen gut zehn Jahre alten Ahornbaum an Bord, dafür
aber nach Sekunden schwer Schlagseite. Da besann sich die Besatzung
der "Blauen Bleißebrecher" (Argentinien) des olympischen
Gedankens - sie retteten Kanada aus Seenot, trotz akuter Wettkampfsituation...
Die PDS schwamm selbstredend unter russischer Flagge und mit Ex-Turner
Klaus Köste. Ein Tretboot hätte die Fraktions-Matrosen
schneller nach vorn bringen können, sie ruderte aber irgendwo
im Mittelfeld herum. Wer gewonnen hat, ist eigentlich egal, aber
der Vollständigkeit halber: Es waren "DivingKaputtNix"
aus Sachsen-Anhalt. Der jubelschrei aus dem Publikum kam von Marathon-Legende
Waldemar Cierpinski, einem waschechten Hallenser...
Jackie Richard
LVZ, 10.6.2002
Wanne und Flamme für den olympischen Geist
LVZ-Ente bei 10. Régates de Baquet im Mittelfeld
Die Feuerprobe ist bestanden. Seit gestern lodert in Leipzig sie
Olympische Flamme. Kurz nach 13 Uhr sprang der Funke über,
der im griechischen Restaurant "Olympia" entnommen und
nach halsbrecherischer Einrad-Fahrt schließlich vom 14-jährigen
Kilian vor dem Völkerschlachtdenkmal an die Lunte gehalten
wurde. Nicht irgendein Kilian übrigens, sondern der kleine
Fröhlich, Sohn des Badewannenrennen-Moderators Paul. Drohen
den Spielen 2012 in Leipzig Beziehungssumpf und Korruptionsdickicht?
Die Organisatoren der naTo versprachen trotz dieser familiären
Mauschelei einen fairen Wettkampf und erklärten die 10. Régates
de Baquet für eröffnet.
Der völkerverbindende Geist hat 36 Teams dazu befähigt,
mehr oder minder taugliche Objekte im Seestadion zu wassern, mehr
noch im friedlichen Nebeneinander. Unter der Flagge des Vatikans
ging die bescheidene "Christa" ins Rennen, andere waren
Aufmerksamkeit heischend auf "Aurora" (Russland), "Der
schwimmende Saftladen" (Ägypten) oder "Die Achseln
des Bösen" (USA) getauft.
Im Fahrerlager der "MS Aufschwung Ost" (GB) brutzelten
Würstchen auf dem Grill, derweil Sportsfreund Markus vom LVZ-Kahn
"Bleierne Ente" (Dänemark) mit Süßkram,
Cola, Schokomilch und Filterzigarretten knapp den Dopingvorschriften
gerecht werden konnte. Dank ausgewogener Ernährung und Sitzplatzverteilung
gelang es dem Team Birgit, Maria, Ralf und Markus, sich stabil im
Mittelfeld zu behaupten. Warum "DivingKaputtNix" (Sachsen-Anhalt)
das Hindernisrennen für sich entscheiden konnten, blieb bis
Redaktionsschluss ebenso ungeklärt wie der Regatta-Sieg von
"Fassbomber" (Australien) und die Entscheidung im Wannenstechen,
wo "Kampgurke" (China) die Oberhand behielt. Moralischer
Sieger bleibt ohnehin die Olympiametropole, die einen Vergleich
mit Athen oder dem Ruhrgebiet nicht mehr scheuen muss.
J. Fleischer
|
|