11. Régates de Baquet

das Internationale Badewannenrennen
29. Juni 2003, Völkerschlachtdenkmal

  Die Erfüllung der Sehnsucht nach Unterhaltung, Spaß und Schönheit in der Bewegung!
 
Presse 2003
 



LVZ, 30.6.2003

Über 25 000 Zuschauer beim 11. Internationalen Badewannenrennen der naTo

Dabeisein ist schön – ein Sieg noch schöner

Für zwei, drei Sekunden ist selbst Paul Fröhlich sprachlos. Just als die »USS Osama tapir Laden« mit gewaltiger Rauchwolke Kurs auf seine schwimmende Bühne nimmt, knattert einige Meter höher ein kleines Sportflugzeug auf das Völkerschlachtdenkmal zu. Perfektes Timing ist eben alles. Selbst wenn es nur darum geht, den Kapitän des für die Vereinigten Staaten von Amerika zu Wasser gelassenen Gefährtes zu irritieren. Da nützt kein martialisch grau angepinselter Turm, keine angriffsbereite Wasser-Spritzanlage – die kurzfristige Konfusion an Bord ist schlecht für den Kurs und kostet Zeit, massig Zeit.
»Das war bestimmt nur das Internationale Olympische Komitee auf Inspektionsflug« , beruhigt Paul Fröhlich. Aber die Ausrede ist zu durchsichtig: An diesem sonnigen Nachmittag schlägt das alte Europa mit allen Mitteln zurück. Und die Vereinigten Staaten gehen bei den mittlerweile 11. Régates de Baquet, die gestern vor dem Völkerschlachtdenkmal ausgefochten wurden, souverän baden. Nicht physisch – das erledigt der für Kanada startende »Yachtglub Schbardagiade« sehr viel professioneller. Dessen gewagte Konstruktion aus Fässern und einem vorderradamputierten Fahrrad beschert der Besatzung latente Gleichgewichtsprobleme und viele schöne Abgänge ins schlickige Bassin. Außerdem ein Abo auf den letzten Platz – sowohl beim Hindernisrennen als auch bei der Großen Regatta. Da tröstet selbst der Sonderpreis für die »eleganteste Kenterrolle« nur wenig. Zumal sich zum Pech im Rennen noch ein Moderator gesellt, der fröhlich Strafsekunden und Zeitabzüge verteilt. »Streng objektiv«, versteht sich. Schließlich, betont Fröhlich mehrfach, soll das Badewannenrennen 2012 olympische Disziplin werden. Da ist schon jetzt jegliche Mauschelei verpönt. Dass unter diesen strengen Bedingungen die Schaluppe der Stadtwerke, die ganz zufällig auch Hauptsponsor sind, mit der für den Parcours geradezu sagenhaften Zeit von einer Minute das Hindernisrennen für sich entscheidet, einzig und allein aus der »überragenden Leistung« der Crew resultiert, muss man Fröhlich einfach glauben.
Zum Glück ist das Leipziger Publikum sportlich fair. Selbst die für den unterlegenen Olympia-Mitbewerber Hamburg startenden »Herren der Ringe« werden angefeuert und bejubelt. Für Irritationen und Raunen in der Menge sorgt lediglich das wenig diplomatische Vorgehen des kubanischen Bootes. Die »östrogenialen Schlickschabracken« hatten von der Rennleitung schon im Vorfeld aus alter völkerfreundschaftlicher Verbundenheit den ersten Startplatz im Hindernisrennen zugeschanzt bekommen. Doch statt diesen Vorteil still und zufrieden auszunutzen, mangelt das knapp beschürzte Damenteam eiskalt erst einmal alles über den Haufen, was ihm vors Ruder kommt.
Der olympische Gedanke tritt so in den Hintergrund – dabei sein ist zwar schön, der Sieg aber offenbar noch schöner. Schlagender und jährlich wiederkehrender Beweis ist die große Regatta. Während »Nero’s Olympisches Feuerzeug« mit seinem technisch ausgefeilten Schaufelrad-System das Feld vom Start bis zum Ziel dominiert, werden auf den hinteren Plätzen erbitterte Kämpfe ausgetragen. Um Positionen, um schöne Frauen, um im Schlepptau mitgeführte, gut gekühlte Bierkästen. Die Revanche folgt beim legendären Wannenstechen – spätestens aber nächstes Jahr. (LVZ, 30.6.2003)

Strippen und rennen für Olympia

Über 3000 Läufer starten beim Olympic Day Run, Burkhard Jung gibt sein letztes Hemd
Für Olympia macht Burkhard Jung fast alles. Wenn es sein muss, liefert Leipzigs Ober-Olympionike auch eine kleine Strip-Einlage vor mehreren tausend Zuschauern. Nicht ganz freiwillig: Jung hatte schlicht vergessen, sich das passende T-Shirt unters weiße Hemd zu ziehen.
So war es Moderator Paul Fröhlich Pflicht und diebisches Vergnügen, seinen Chef vor dem Startschuss auf offener Bühne zum Kleiderwechsel zu animieren. Weil ja schließlich auch alle Läufer, die gestern im Vorprogramm des Badewannenrennens zum Olympic Day Run starteten, stolz die bunten Ringe auf ihrer Brust spazieren trugen. Über 3000 T-Shirts hatte die Leipziger Olympia GmbH an die Starter verteilt – und war selbst in der ersten Reihe mit dabei.
Geschäftsführer Dirk Thärichen reihte sich ebenso hinter dem Startband ein wie Biathlon-Weltmeister Manfred Beer, die Leipziger Volleyball-Legende Rudi Schuhmann, Leichtathletin Romy Spitzmüller und natürlich »Miss Olympia« Janet Pilz. Die 24-Jährige lief aber nur für die Fotografen ein paar Meter mit – selbst die Kurzstrecke über symbolische 2012 Meter wäre in ihrem silbernen Ganzkörperanzug zur schweißtreibenden Tortur geworden.
Ohnehin stand beim gemeinsamen Rennen über die Alte Messe weniger der Sport als vielmehr die Symbolik im Vordergrund: Opern-Intendant Henri Maier überbrachte Grüße vom Internationalen Olympischen Komitee, das mit dem Olympic Day Run an vielen verschiedenen Orten an seine Gründung 1894 erinnern will. Und Burkhard Jung wollte vor allem ein Bewerbungs-Zeichen setzen: »Leipzig ist bereit – wir wollen gewinnen.« Einen Haken hätte der Erfolg allerdings: Wenn alles klappt, werden auch 2012 die zurücktröpfelnden Läufer auf dem Gelände vor dem Völkerschlachtdenkmal um Aufmerksamkeit buhlen müssen. Denn dann ist das Badewannenrennen ja bekanntlich olympische Disziplin.