| |

LVZ, 30.6.2003
Über 25 000 Zuschauer beim 11. Internationalen
Badewannenrennen der naTo
Dabeisein ist schön – ein Sieg noch schöner
Für zwei, drei Sekunden ist selbst Paul Fröhlich sprachlos.
Just als die »USS Osama tapir Laden« mit gewaltiger
Rauchwolke Kurs auf seine schwimmende Bühne nimmt, knattert
einige Meter höher ein kleines Sportflugzeug auf das Völkerschlachtdenkmal
zu. Perfektes Timing ist eben alles. Selbst wenn es nur darum geht,
den Kapitän des für die Vereinigten Staaten von Amerika
zu Wasser gelassenen Gefährtes zu irritieren. Da nützt
kein martialisch grau angepinselter Turm, keine angriffsbereite
Wasser-Spritzanlage – die kurzfristige Konfusion an Bord ist
schlecht für den Kurs und kostet Zeit, massig Zeit.
»Das war bestimmt nur das Internationale Olympische Komitee
auf Inspektionsflug« , beruhigt Paul Fröhlich. Aber die
Ausrede ist zu durchsichtig: An diesem sonnigen Nachmittag schlägt
das alte Europa mit allen Mitteln zurück. Und die Vereinigten
Staaten gehen bei den mittlerweile 11. Régates de Baquet,
die gestern vor dem Völkerschlachtdenkmal ausgefochten wurden,
souverän baden. Nicht physisch – das erledigt der für
Kanada startende »Yachtglub Schbardagiade« sehr viel
professioneller. Dessen gewagte Konstruktion aus Fässern und
einem vorderradamputierten Fahrrad beschert der Besatzung latente
Gleichgewichtsprobleme und viele schöne Abgänge ins schlickige
Bassin. Außerdem ein Abo auf den letzten Platz – sowohl
beim Hindernisrennen als auch bei der Großen Regatta. Da tröstet
selbst der Sonderpreis für die »eleganteste Kenterrolle«
nur wenig. Zumal sich zum Pech im Rennen noch ein Moderator gesellt,
der fröhlich Strafsekunden und Zeitabzüge verteilt. »Streng
objektiv«, versteht sich. Schließlich, betont Fröhlich
mehrfach, soll das Badewannenrennen 2012 olympische Disziplin werden.
Da ist schon jetzt jegliche Mauschelei verpönt. Dass unter
diesen strengen Bedingungen die Schaluppe der Stadtwerke, die ganz
zufällig auch Hauptsponsor sind, mit der für den Parcours
geradezu sagenhaften Zeit von einer Minute das Hindernisrennen für
sich entscheidet, einzig und allein aus der ȟberragenden
Leistung« der Crew resultiert, muss man Fröhlich einfach
glauben.
Zum Glück ist das Leipziger Publikum sportlich fair. Selbst
die für den unterlegenen Olympia-Mitbewerber Hamburg startenden
»Herren der Ringe« werden angefeuert und bejubelt. Für
Irritationen und Raunen in der Menge sorgt lediglich das wenig diplomatische
Vorgehen des kubanischen Bootes. Die »östrogenialen Schlickschabracken«
hatten von der Rennleitung schon im Vorfeld aus alter völkerfreundschaftlicher
Verbundenheit den ersten Startplatz im Hindernisrennen zugeschanzt
bekommen. Doch statt diesen Vorteil still und zufrieden auszunutzen,
mangelt das knapp beschürzte Damenteam eiskalt erst einmal
alles über den Haufen, was ihm vors Ruder kommt.
Der olympische Gedanke tritt so in den Hintergrund – dabei
sein ist zwar schön, der Sieg aber offenbar noch schöner.
Schlagender und jährlich wiederkehrender Beweis ist die große
Regatta. Während »Nero’s Olympisches Feuerzeug«
mit seinem technisch ausgefeilten Schaufelrad-System das Feld vom
Start bis zum Ziel dominiert, werden auf den hinteren Plätzen
erbitterte Kämpfe ausgetragen. Um Positionen, um schöne
Frauen, um im Schlepptau mitgeführte, gut gekühlte Bierkästen.
Die Revanche folgt beim legendären Wannenstechen – spätestens
aber nächstes Jahr. (LVZ, 30.6.2003)
Strippen und rennen für Olympia
Über 3000 Läufer starten beim Olympic Day Run, Burkhard
Jung gibt sein letztes Hemd
Für Olympia macht Burkhard Jung fast alles. Wenn es sein muss,
liefert Leipzigs Ober-Olympionike auch eine kleine Strip-Einlage
vor mehreren tausend Zuschauern. Nicht ganz freiwillig: Jung hatte
schlicht vergessen, sich das passende T-Shirt unters weiße
Hemd zu ziehen.
So war es Moderator Paul Fröhlich Pflicht und diebisches Vergnügen,
seinen Chef vor dem Startschuss auf offener Bühne zum Kleiderwechsel
zu animieren. Weil ja schließlich auch alle Läufer, die
gestern im Vorprogramm des Badewannenrennens zum Olympic Day Run
starteten, stolz die bunten Ringe auf ihrer Brust spazieren trugen.
Über 3000 T-Shirts hatte die Leipziger Olympia GmbH an die
Starter verteilt – und war selbst in der ersten Reihe mit
dabei.
Geschäftsführer Dirk Thärichen reihte sich ebenso
hinter dem Startband ein wie Biathlon-Weltmeister Manfred Beer,
die Leipziger Volleyball-Legende Rudi Schuhmann, Leichtathletin
Romy Spitzmüller und natürlich »Miss Olympia«
Janet Pilz. Die 24-Jährige lief aber nur für die Fotografen
ein paar Meter mit – selbst die Kurzstrecke über symbolische
2012 Meter wäre in ihrem silbernen Ganzkörperanzug zur
schweißtreibenden Tortur geworden.
Ohnehin stand beim gemeinsamen Rennen über die Alte Messe weniger
der Sport als vielmehr die Symbolik im Vordergrund: Opern-Intendant
Henri Maier überbrachte Grüße vom Internationalen
Olympischen Komitee, das mit dem Olympic Day Run an vielen verschiedenen
Orten an seine Gründung 1894 erinnern will. Und Burkhard Jung
wollte vor allem ein Bewerbungs-Zeichen setzen: »Leipzig ist
bereit – wir wollen gewinnen.« Einen Haken hätte
der Erfolg allerdings: Wenn alles klappt, werden auch 2012 die zurücktröpfelnden
Läufer auf dem Gelände vor dem Völkerschlachtdenkmal
um Aufmerksamkeit buhlen müssen. Denn dann ist das Badewannenrennen
ja bekanntlich olympische Disziplin.
|
|