15. Régates de Baquet

das Internationale Badewannenrennen
2. Juni 2006, Völkerschlachtdenkmal

  Die Erfüllung der Sehnsucht nach Unterhaltung, Spaß und Schönheit in der Bewegung!
 
Presse 2006
 


LVZ, 3. Juli 2006

Hitzeschlacht statt Völkerschlacht: 12 000 Zuschauer beim 14.
Badewannenrennen

Kindergeburtstag im Brutkasten

An sich hält Torsten Strom nichts von Vorurteilen. Mit einer Ausnahme: "Alle Bauarbeiter sind böse", sagt der 42-jährige Leipziger, der sich angesichts dieser abstrusen Behauptung das Lachen mit Mühe verkneift. Zumal: Als Kapitän von "Die Bösen" trägt er selbst orange-farbene Weste und knallgelben Helm. Strom und sein aberwitziger Bautrupp stellen eins von 30 Teams, die sich beim internationalen Badewannenrennen der naTo, der "Régates de Baquet", nur so zum Spaß mit mehr oder minder schwimmfähigen Bootkonstruktionen in die Fluten des riesigen Plantschbeckens vor dem Völkerschlachtdenkmal stürzen.

Moderiert wird die 14. Auflage des Spektakels, die in Anlehnung an das Jubiläum der Leipziger Stadtwerke kurzerhand zur 15. umgetauft wird, wie gehabt von Chef-Unterhalter Paul Fröhlich. Der schickt bei brütender Hitze die Kontrahenten, die sich "Berserker", "Betty-Ford-Klinic Außenstelle Sachsen", "Tiefensees Hauptverkehrsschlagader und fünf verschwiegene U-Bahnkontrolleure" oder "Theo-Helferzelle" vor rund 12 000 Zuschauern zum Hindernisrennen ins Wasser. Natürlich nicht ohne Fröhlich'sche verbale
Motivationssp(r)itzen: "Ich glaube, ich sehe da eine Ermüdungsfraktur am Oberarm" oder "Da ist aber jemand siegessicher. Wohl Argentinier, was?".
Pointen mit Unterhaltungswert.

Mit Liebe zum Detail haben die Teams ihre Gefährte zusammengebaut. Aus Eimern, Paletten, Pappmaché. So auch Mario Stocker und seine Kollegen eines Leipziger Reiseausrüsters. Fast einen Monat haben sie an ihrem Käfig gewerkelt. In den zwängen sie sich unter dem Namen "MS Freiland H5N1". In entsprechend komischen Hühnerkostümen, versteht sich. "Uns geht's um den Spaß an der Sache. Wir wollen eine gute Show zeigen", sagt der Mittzwanziger Stocker, der zum fünften Mal am Start ist. Und obwohl die schwimmende Hühnerfarm beim Hindernisrennen (Sieger: "Dschungelwassis") leer ausgeht - das Team erhält den Designpreis des naTo-Sportrats.

Fröhlich, seine charmante Co-Moderatorin Emanuelle (alias Emanuelle Jurke) - deren Stimme mit dem künstlichen französischen Akzent locker ins Nachtprogramm von Neun-Live passen würde - und vor allem die Teilnehmer veranstalten auf dem Platz am Fuße des Völkerschlachtdenkmals einen Kindergeburtstag für Erwachsene. Die Show ist witzig, die Moderationen nicht gestelzt, sondern spontan. Da werden Punkte für das pantomimische Darstellen von Begriffen mal eben wegen "unerlaubten Flirtens mit dem Moderator"
(Jurke) oder ungerechterweise beim Team Stadtwerke verdoppelt - "wegen Sponsorenleistungen" (Fröhlich).

Weiterer Höhepunkt des Nachmittags ist die große Regatta, bei der die Boote mit Verweis auf die Fußball-WM unter internationaler Beflaggung ablegen.
Hier holen sich "Tiefensees Hauptverkehrsschlagader und die fünf verschwiegene U-Bahn-Kontrolleure" als Liechtensteiner den Pokal. Im abschließenden naTo-Endspiel stehen Deutschland und Frankreich. Anders als beim möglichen WM-Finale am 9. Juli in Berlin gibt's keinen Champion: Beide trennen sich 2:2 unentschieden - nach Elfmeterschießen.
(Alexander Weise)