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LVZ, 3. Juli 2006
Hitzeschlacht statt Völkerschlacht: 12 000 Zuschauer beim
14.
Badewannenrennen
Kindergeburtstag im Brutkasten
An sich hält Torsten Strom nichts von Vorurteilen. Mit einer
Ausnahme: "Alle Bauarbeiter sind böse", sagt der
42-jährige Leipziger, der sich angesichts dieser abstrusen
Behauptung das Lachen mit Mühe verkneift. Zumal: Als Kapitän
von "Die Bösen" trägt er selbst orange-farbene
Weste und knallgelben Helm. Strom und sein aberwitziger Bautrupp
stellen eins von 30 Teams, die sich beim internationalen Badewannenrennen
der naTo, der "Régates de Baquet", nur so zum Spaß
mit mehr oder minder schwimmfähigen Bootkonstruktionen in die
Fluten des riesigen Plantschbeckens vor dem Völkerschlachtdenkmal
stürzen.
Moderiert wird die 14. Auflage des Spektakels, die in Anlehnung
an das Jubiläum der Leipziger Stadtwerke kurzerhand zur 15.
umgetauft wird, wie gehabt von Chef-Unterhalter Paul Fröhlich.
Der schickt bei brütender Hitze die Kontrahenten, die sich
"Berserker", "Betty-Ford-Klinic Außenstelle
Sachsen", "Tiefensees Hauptverkehrsschlagader und fünf
verschwiegene U-Bahnkontrolleure" oder "Theo-Helferzelle"
vor rund 12 000 Zuschauern zum Hindernisrennen ins Wasser. Natürlich
nicht ohne Fröhlich'sche verbale
Motivationssp(r)itzen: "Ich glaube, ich sehe da eine Ermüdungsfraktur
am Oberarm" oder "Da ist aber jemand siegessicher. Wohl
Argentinier, was?".
Pointen mit Unterhaltungswert.
Mit Liebe zum Detail haben die Teams ihre Gefährte zusammengebaut.
Aus Eimern, Paletten, Pappmaché. So auch Mario Stocker und
seine Kollegen eines Leipziger Reiseausrüsters. Fast einen
Monat haben sie an ihrem Käfig gewerkelt. In den zwängen
sie sich unter dem Namen "MS Freiland H5N1". In entsprechend
komischen Hühnerkostümen, versteht sich. "Uns geht's
um den Spaß an der Sache. Wir wollen eine gute Show zeigen",
sagt der Mittzwanziger Stocker, der zum fünften Mal am Start
ist. Und obwohl die schwimmende Hühnerfarm beim Hindernisrennen
(Sieger: "Dschungelwassis") leer ausgeht - das Team erhält
den Designpreis des naTo-Sportrats.
Fröhlich, seine charmante Co-Moderatorin Emanuelle (alias
Emanuelle Jurke) - deren Stimme mit dem künstlichen französischen
Akzent locker ins Nachtprogramm von Neun-Live passen würde
- und vor allem die Teilnehmer veranstalten auf dem Platz am Fuße
des Völkerschlachtdenkmals einen Kindergeburtstag für
Erwachsene. Die Show ist witzig, die Moderationen nicht gestelzt,
sondern spontan. Da werden Punkte für das pantomimische Darstellen
von Begriffen mal eben wegen "unerlaubten Flirtens mit dem
Moderator"
(Jurke) oder ungerechterweise beim Team Stadtwerke verdoppelt -
"wegen Sponsorenleistungen" (Fröhlich).
Weiterer Höhepunkt des Nachmittags ist die große Regatta,
bei der die Boote mit Verweis auf die Fußball-WM unter internationaler
Beflaggung ablegen.
Hier holen sich "Tiefensees Hauptverkehrsschlagader und die
fünf verschwiegene U-Bahn-Kontrolleure" als Liechtensteiner
den Pokal. Im abschließenden naTo-Endspiel stehen Deutschland
und Frankreich. Anders als beim möglichen WM-Finale am 9. Juli
in Berlin gibt's keinen Champion: Beide trennen sich 2:2 unentschieden
- nach Elfmeterschießen.
(Alexander Weise)
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