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LVZ, 19.5.2003
Olympischer Geist am Fockeberg
Beim 12. Prix de Tacot von naTo und Villa e.V. siegten Sportlichkeit
und flotte Seifenkisten
Atemberaubende Spannung und dramatische Szenen zeichnen ihn aus:
Den Prix de Tacot, das traditions- und tragödienreiche Seifenkistenrennen,
gestern zum 12. Mal am Fockeberg ausgetragen. Die Formel 1, so behaupten
intime Kenner der Szene, wirke dagegen wie beschaulicher Senioren-Sport.
Das es zumindest ein bisschen so sein könnte, erleben tausende
Zuschauer bereits bei Startnummer Eins des Zeitfahrens der Junioren.
Asphaltblase heißt das Gefährt, das mit großen
Hoffnungen auf eine gute Platzierung, aber viel zu hoher Geschwindigkeit
die Startrampe herab schießt. Die Asphaltblase wackelt, sie
stürzt – Momente des Schreckens, aber all zu viel ist
nicht passiert und es geht weiter. Moderator Paul Fröhlich
kommentiert die Szene begeistert: „Das hatten wir noch nie:
bereits beim ersten Start eine Blutspur auf dem Asphalt!“
Der Mann weiß eben, was die Zuschauer erwarten. Hohes Tempo,
volles Risiko, gutes Wetter und flotte Sprüche. Zwischendrin
kurz mal ein paar Wolken, fernes Donnergrollen, aber die Sonne behält
die Oberhand.
Auch bei den Senioren suchten vereinzelte Teilnehmer schnell engen
Kontakt zum Pistenbelag. Die Roten Füchse zum Beispiel scheiterten
bei dem Versuch, trotz Verlust der Vorderachse noch eine passable
Zeit zu erzielen. Immerhin, getrennt kamen sie durchs Ziel, das
war Paul Fröhlich einen Zeit-Bonus wert. „Vielleicht
schafft ihr damit Rang 15 anstatt Rang 17“, kommentiert der
Stelzenmann seinen wie immer unergründlichen Schiedsspruch.
18 Teilnehmer hatte das Feld der Senioren, 7 waren es bei den Junioren.
Währendessen wurde bereits eifrig über die gelungensten
Fahrzeugdesigns diskutiert. Heiße Anwärter: Die Russischen
Hortkinder – Seifenkiste und Hortkollektiv ganz in schmucken
weiß-blau-rot, das rollende Iglu und die Pitcock, ein Raumschiff
Enterprise-Nachbau mit verschließbaren Schießscharten
für die eingebaute Wasserspritz-Pistole.
Hoch gehalten wurde wie immer der Sportsgeist. Das Team der Stadtwerke,
immerhin Hauptsponsor des Rennens, vermeldete zu Beginn des Zeitfahrens
einen Platten an seinem blauen Flitzer. Natürlich drehte das
Gefährt trotzdem seine Runde. Und noch mehr Sportsgeist: Verlieren,
das bedeute auch menschliche Stärke, philosophierte der Moderator
und zog den Vergleich zur Hamburger Olympiabewerbung. Auf Anfrage
meldete sich tatsächlich ein Hamburger Bürger unter den
Zuschauern. „Die bessere Stadt hat eben gewonnen“, quietschte
der junge Hansestädter vergnügt ins Mikro. Der Fockeberg
bebt, erleuchtet vom olympischen Geist.
(Markus Wittpenn)
Der Stadtwerke-Preis für die beste Wärmedämmung
ging übrigens an das rollende Iglu, weitere Ergebnisse unter
www.nato-leipzig.de
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