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LVZ, 9. Mai 2005
Das härteste Seifenkistenrennen der Welt zog auf dem Fockeberg
Hunderte in seinen Bann und in die Haarnadelkurve
Ein Hauch von Monaco und Hockenheim
Sonntagmorgen in Leipzig, ein Gefühl der Anspannung liegt in
der Luft: Der Rennsportzirkus ist wieder in der Stadt. Menschen
laufen den Fockeberg hinauf, schon Stunden bevor hier die erste
Höllenmaschine die Strecke zum 14. Prix de Tacot hinab rasen
wird.
Für einen echten Fan der Frauen und Männer in ihren pfeilschnellen
Kisten ist es Ehrensache, den Asphalt des Triumphs schon vor dem
Rennen abzuschreiten, um in Gedanken die gefährliche Haarnadelkurve
zu durchfahren. Und echte Rennsportfans gibt es hier viele. Zu Hunderten
strömen sie an die Strecke. Bis zum Mittag hat sich die Fockestraße
auch mit jenem Rennsportbeiwerk gefüllt, das man aus Le Mans,
Monaco oder Hockenheim kennt. Zahlreiche Imbiss-Buden, Clowns und
Helden der Kleinkunst vertreiben den Wartenden die Zeit. Die obligatorischen
Boxenluder orientieren sich allmählich in Richtung Fahrerlager.
Dann endlich trudeln die ersten Protagonisten ein, allen voran die
favorisierten Porsche-Werks-Teams aus Stuttgart und Leipzig, geben
sich betont geheimnisvoll, flüstern kryptische Botschaften
in ihre Walkie-Talkies. Es folgen die Herausforderer: ein originalgetreuer
AutoUnion-Silberpfeil und ein roter Flitzer mit dem Mustang-Emblem.
Auch ein Pferdewagen ohne Gäule, eine Leichenkutsche mit Kapelle
oder ein violettes Liebesnest samt Beischlafutensilien rollen heran.
Insgesamt 28 Teams nehmen Aufstellung, versuchen Details der gegnerischen
Bremsanlage zu erhaschen.
Tosender Jubel, als Moderator Paul Fröhlich die Fahrsicherheit
prüft und zum Massenstart bittet. Sind die richtigen Reifen
aufgezogen? Schließlich hat es geregnet. Wird die Radaufhängung
halten? Der Fockeberg gilt als eine der schwierigsten Strecken überhaupt.
Schon bald nach dem Startschuss bleibt mancher mit gebrochener Vorderachse
liegen. Seifen-Alfreds Fockekiste (jun.) und Herrenabend (sen.)
gewinnen die große Abfahrt, doch am Ende strahlen alle beim
14. Prix de Tacot, dem härtesten Seifenkistenrennen der Welt.
(Matthias Puppe)
BILD Leipzig, 9. Mai 2005
Überraschung auf dem Fockeberg vor 12.000 Zuschauern
Klappriges Damenrad besiegt Porsche-Kiste
Ein altes Damenfahrrad machte Porsche lächerlich…
Gestern war der Tag der Porschejäger. Beim „14. Prix
de Tacot“ auf dem Fockeberg gab es im Fahrerlager und bei
den Zuschauern nur ein Thema: Sind die Super-Kisten aus der Sportwagenschmiede
von Porsche zu bezwingen? Am Ende des 28 Fahrzeuge starken Starterfeldes
war klar: JA!
Absoluter Überraschungssieger war das Team „Herrenabend“,
das mit einem umgebauten Damenfahrrad in 1:00 Minuten das Zeitfahren
vor den beiden Porsche-Seifenkisten (1:03 und 1:06) gewann.
Auch in der Abfahrt war die Kiste nicht zu stoppen, siegte in 1:37
Minuten. Der „fliegende Teppich“ von Porsche Stuttgart
landete auf Platz 6 (2:04) und Porsche Leipzig auf Platz 8 (2:29).
Porsches Entschuldigung klang wie die eines Formel-1-Verlierers:
„Wir hatten einen schlechten Startplatz und der Wagen wiegt
zu viel.“ Ganze 8 Leute braucht es, um den High-Tech-Porsche
nach oben auf die Startrampe zu schieben…
Die Siegerkiste wog gerade mal 20 Kilo, verschlang 100 Euro Materialkosten
und zehn Arbeitstunden. Erfolgsrezept war ein tiefer Schwerpunkt
des Fahrzeuges und schräg gestellte Räder.
(Mechthild Widemann)
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