Subversion auf Staatsfrequenz
Alternative Radioformate im Realsozialismus / Salon Similde
26.11. - 13.12.2026
Der Zugang zu alternativer Musik, war im Radio des realsozialistischen Raums stets stark eingeschränkt. Gleichzeitig wurden immer wieder Risse im System hörbar, durch die von Veränderung kündend subversive Gegenklänge sickerten. Das Projekt will angesichts des Sendebeginn-Jubiläums der Sendung Parocktikum von Lutz Schramm, erstmals einen länderübergreifenden Vergleich mit ähnlich gelagerten Formaten suchen.
Die Vernissage inklusive live radio show mit Tamás Szönyei (Budapest, HU) und Pavla Jonssonova (Prag, CZ) bildet am 26.11. den Projektauftakt.
Dies ist ein Projekt des Leipziger Soziokulturellen Zentrums naTo e.V. und der Publikations- und Präsentationsplattform Zonic
Termine und Programm
26.11.2026
Vernissage @ Kulturny dom Lipsk/Salon Similde
inklusive: Live Radio Show mit Tamás Szönyei (Budapest) und Pavla Jonssonova (Prag), Moderation: Alexander Pehlemann (Zonic Radio Show)
03.12.2026
Kulturny dom Lipsk/Salon Similde
Live Radio Show mit Xawery Stańczyk (Warschau) und Pavla Jonssonova (Prag)
Moderation: Alexander Pehlemann (Zonic Radio Show)
05.12.2026 20:00
naTo
Generation Parocktikum: Bruderland
live: Armia (Warschau/PL), Rosa Beton (Berlin)
Armia aus Warschau, anfangs auch Anti-Armia, entstanden 1985 als Konzept-Kooperation von Sänger Tomasz Budzynski, zuvor bei der Brutal-Punk-Band Siekiera, und Gitarrist Robert Brylewski (Kryzys, Brygada Krzyzs, Izrael), einem Helden der polski punky reggae party. Heraus kam ein mystisch-melodiöser wie hartkerniger Punksturm mit leichtem Goth-Touch, als wären Discharge mit Dead Can Dance fusioniert oder Dead Kennedys mit den »Children of God«-Swans. Noch mehr geballte Referenzen: die Debüt-Single hieß »Aguirre« und kündete vom Zorn Gottes, wie von Klaus Kinski im Werner-Herzog-Film beschworen, es werden Rimbaud- oder Beckett-Zitate gebrüllt und zum Tanz der Symbole treffen sich Tolkien und Dante mit Jesus. Armia wurden bereits 1987 in der DDR-Szene mit der Cover-Version »Anti-Armia« von Die Firma gewürdigt, tauchten mehrmals im Parocktikum auf und spielten 1989, kurz vorm Zusammenbruch, auch noch in Berlin (Ost). Für das Projekt »Subversion auf Staatsfrequenz« kommen Armia mit einem speziellen Klassiker-Set aus den ikonischen ersten drei Alben 1987-1993.
Rosa Beton aus Berlin traten in ihrer Ur-Phase nie live auf, hinterließen aber ein legendäres Demo-Tape. Die knalligen Punk-Originale des Jahres 1983, darunter wirkliche Hits, zelebrieren sie seit der 2023 erfolgten Wiederbelebung als wundervoll nervöse Post Punk-Versionen. Damit haben sie sich aufholend einen Ruf als wiederentdeckte Legende erspielt. Außerdem entstand aber auch neues Material, dass vor kurzem unter »Lampe aus« bei Aufnahme+Wiedergabe veröffentlicht wurde.
Rosa Beton liefen zwar nie im DDR-Rundfunk, aber Sänger/Texter Thomas Wagner fand sich mit seinen späteren Projekten Herr Blum und Tom Terror & Das Beil oft in den Parocktikum-Playlisten wieder.
Ein Zonic-Abend im Geist des »Warschauer Punk Pakts«!
12.12.2026 20:00
UT Connewitz
Generation Parocktikum: Inland
Record Release Party von "Parocktikum - 1986 bis 1993"
Live:
Freunde der italienischen Oper (Dresden), Rosengarten (Salzwedel), Der Expander des Fortschritts (Berlin)
DJ: Rex Joswig (Herbst in Peking, Berlin)
Moderation: Lutz Schramm (Ex-DT64, Parocktikum)
Die im März 1986 auf Jugendradio DT64 gestartete Sendung Parocktikum war definitiv prägend. Stilistisch entgrenzt, mit neuesten Schräg-Klängen aus Ost und West, von Punk über New Wave bis zu Experimental-Klängen, war sie nicht zuletzt das Forum der alternativen Szene der Spät-DDR, legal wie (eingeschränkt) illegal. Diesen Inland-Sounds widmeten sich bereits zwei Compilations, 1989 und 1990, denen nun „Parocktikum – 1986 bis 1993“ als ultimative Auswahl auf Triple-Vinyl folgt. Zusammengestellt vom Macher Lutz Schramm aus den Playlisten, der entsprechend auch die Moderation des Abends trägt, während die Bands für Teile der Vielfalt des „Parocktikum“ stehen.
Der Expander des Fortschritts aus Berlin wurde ab 1987 zwischen Akademie-Krach und Abstract Pop gedehnt und mit durchaus komplexem und doch zugänglichem Klangmaterial nicht nur über „Parocktikum“, sondern auch international anerkannt: die erste LP erschien 1989 in UK. Druckvoll reaktiviert mit jüngeren Mitmusikern und der äußerst expressiven Sängerin Safi ist der Expander eines der herausragenden Beispiele fortdauernder Relevanz, musikalisch wie poetisch.
Rosengarten aus der Zonenrandstadt Salzwedel brachten ab Mitte der 1980er mit dunklem Post-Punk den düsteren Zeitgeist zum Ausdruck und gewannen Ende 1987 über die „Parocktikum“-Session neue Zuhörerschaft. Anlässlich der Werkschaubox „Schwarze Wolken“ und der Wiederveröffentlichung ihrer Einzel-Kassetten, ganz aktuell “Viva Now“ von 1989, kam die Band 2025 zurück auf die Bühne, wenn auch nur zu ausgewählten Momenten wie zuletzt beim Ost-Wave-Abend des WGT, auftrumpfend zwischen psychedelischer Soundwolke und punkiger Energie.
Die Freunde der italienischen Oper aus Dresden zelebrierten ihre monumentale Post-Punk-Melange ebenfalls gefeiert an jenem WGT-Abend, waren in der 1987 beginnenden Erstphase eine im „Parocktikum“ bejubelte Szene-Sensation und sind seit 2017 nicht nur regelmäßig eindrucksvoll rockend zurück, sondern sogar mit aktuellen Platten. Der als dröhnend krönender Abschluss gesetzte Leipzig-Auftritt wird so zur Doppel-Premiere, nämlich auch des Frischwerks „Angelus Luminis“. Die Leipziger Fraktion der aktuellen FDIO-Mitglieder ist aber zudem auch auf „Parocktikum – 1986 bis 1993“ mit frühen Projekten präsent, nämlich den Tishvaisings und Think About Mutation.
Ein Abend des „Best of …“ also, der auch noch Sondergasteinlagen verspricht und gerahmt wird durch das DJing von Rex Joswig, Stimme sowohl der Band Herbst in Peking als auch der Kult-Sendung „Grenzpunkt Null“.
parocktikum.de,
freunde-der-italienischen-oper.de
Musik | Rosengarten
Im Waschhaus Potsdam | Der Expander des Fortschritts
13.12.2026
Kulturny dom Lipsk/Salon Similde
Platten-Premieren-Matinee: "Parocktikum - 1986 bis 1993"
Mit Lutz Schramm (Ex-Parocktikum), Rex Joswig (Herbst in Peking), Prof. Dr. Susanne Binas-Preisendörfer (Der Expander des Fortschritts), Torsten Füchsel (Rosengarten), Ray van Zeschau (Freunde der italienischen Oper) u.a.
Dieses Projekt wird gefördert durch das Kulturamt Leipzig, den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.


